Ein kurzer Abriss zur Geschichte des Viererbundes

Schaut man zurück auf die Geschichte der Rottweiler Fastnacht, so fällt vor allem eines auf. Die Rottweiler Fastnacht hatte es fast jedes Jahr aufs Neue schwer, sich entfalten zu dürfen. Immer wieder kam es zu Reglementierungen, zu Einschränkungen, zu Untersagungen. Die Rottweiler Ratsprotokolle belegen dies in aller Deutlichkeit. Egal, ob Kirche, Staat oder Großkopfete, einer rieb sich immer an dieser „Volksbelustigung“ und wollte sie daher am Besten ausgestorben sehen.
1919 befand sich Deutschland durch die Folgen des Krieges in einer desaströsen Situation. Nahezu im gleichen Wortlaut untersagten das badische wie auch das württembergische Innenministerium alle öffentlichen Fastnachtveranstaltungen, insbesondere wurde das Tragen von Masken auf Straßen verboten. Im ersten Jahr nach Kriegsende erregte dies noch keinen Widerspruch, aber bereits 1920 waren Verstöße gegen die Fastnachtsverbote an der Tagesordnung. In Elzach versuchten 25 bewaffnete Polizisten dem Fasnetstreiben ein Ende zu setzen, wurden jedoch vom Ortspfarrer und dem Bürgermeister angesichts einer wachsenden Schuttig-Menge besänftigt. Diese erfolgreiche Fasnet wird dort seither als Revolutions-Fasnet bezeichnet. In Rottweil, wo ganz offen ein Narrensprung stattfand, wurden die Wortführer sogar vor Gericht zitiert. Das Verfahren endete allerdings mit einem Freispruch. Die in Stuttgart erscheinende Zeitung Der Beobachter sprach in seinem Leitartikel von „Anarchie am oberen Neckar“.

Die goldenen zwanziger Jahre

In Anbetracht der schwachen behördlichen Reaktionen gab es schließlich 1921 kein Halten mehr; trotz weiter bestehender Verbote wurde genarrt. 1922 schließlich wurde die Fasnet in Städten mit „wirklich gewachsenem Brauchtum und nachweislich historischen Zünften“ erlaubt. Im Grunde war diese Einschränkung die Initialzündung zu einer Vereinigung der alten Zünfte. Am 16. November 1924 gründeten in Villingen 24 Vertreter von 13 Narrenzünften ein Bündnis, den Gau-Verband Badischer und Württembergischer Narrenzünfte, der sich die Wahrung altüberlieferten Brauchtums zum Ziel setzte. Zwar war schon 1924 die Fasnet wieder ohne Einschränkung genehmigt worden, aber da die wirtschaftliche Situation nach wie vor angespannt war, schwebte weiterhin das Damoklesschwert des Verbots über den Narren.

Nach der Umbenennung in Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) hatte der Nachfolger des bereits nach zwei Jahren verstorbenen Gründungspräsidenten Benjamin Grüninger, Albert Fischer, die Aufgabe, das Selbstverständnis der Vereinigung zu prägen, insbesondere eine Abgrenzung gegenüber nicht altehrwürdigen und verfälschtem Brauchtum, besonders auch gegen den rheinischen Karneval durchzusetzen. Gründungsmitglieder waren im übrigen Bräunlingen, Donaueschingén, Elzach, Haslach, Hüfingen, Laufenburg, Oberndorf, Offenburg, Rottweil, Schramberg, Stockach, Villingen und Waldshut. Kurz danach kamen sechs weitere Narrenzünfte dazu: Aistaig, Engen, Gengenbach, Löffingen, Möhringen und Säckingen.

Da die badische Regierung der Auffassung war, nicht alle diese Narrenzünfte seien althistorisch, sondern einige lediglich Veranstalter eines Volksfestes, konnte die Vereinigung hier erstmals ihre Stärke demonstrieren. Sie setzte das Prädikat des althistorischen gewachsenen Brauchtums auch für die beanstandeten Mitglieder Offenburg und Gengenbach durch.

Ein aus damaliger Sicht gewiss kluger Schachzug war das Bemühen um eine wissenschaftliche Untermauerung des Fastnachts-Gedankens durch den Heimatdichter und Lokalhistoriker Hermann Eris Busse, der auch die Idee eines ersten Narrentreffens am 28. Januar 1928 in Freiburg durchsetzte. Der aktive Elzacher Narr war Geschäftsführer der Zeitschrift Badische Heimat und prägte mit seiner Idee der überörtlichen Brauchentwicklung die Vereinigung bis in die Gegenwart; denn niemand anders als er war es, von dem die Idee zum ersten Narrentreffen der Vereinigung ausging, das am 28.1.1928 in Freiburg stattfand. Mit dieser vor der eigentlichen Fastnacht anberaumten Zusammenkunft vieler Zünfte an einem zentralen Ort zu einer Art großen närrischen Heerschau war eine Darbietungsform ins Leben gerufen worden, wie sie etwas der rheinische Karneval überhaupt nicht kennt.

Die ersten Narrentreffen in den dreißiger Jahren

Nach dem großen Erfolg wurde für 1929 ein weiteres Narrentreffen, diesmal mit Umzug, in Villingen vereinbart. Nun folgte ein Narrentreffen aufs andere, unter wachsender Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: 1930 in Rottweil, 1933 in Stockach, 1935 in Offenburg, 1936 in Oberndorf und 1938 in Überlingen. Obwohl Busse, ein entschiedener Verfechter der Reinhaltung des Ursprünglichen vom „Hergeloffenen“ forderte, konnte er sich gegen die Masse der beitrittswilligen Neu-Narrenzünfte kaum wehren. Die Nationalsozialisten förderten die Volksfastnacht als urgermanisches Brauchtum und begrüßten jede Neugründung. Busse stand somit vor einem Dilemma. Schon früh —nämlich 1929 — hatte Villingen den Vorschlag gemacht, die Zünfte in drei Gruppen: althistorische, historische und neuere Zünfte einzuteilen, was aber auf Ablehnung stieß. Elzach stellte daraufhin den Antrag, eine Aufnahmekommission zu bilden, die eine Art >>Narren-TÜV<< darstellen sollte. Auch dieser Vorschlag konnte sich nicht durchsetzen. 1932 hatte die Vereinigung bereits 32 Mitglieder. Beim nächsten Narrentreffen in Stockach 1933 kam es zu Störungen und Einmischungen seitens der politischen Machthaber, aber auch der Rundfunkmedien.

Konflikte vor Beginn des 2. Weltkrieges

Bei der Hauptversammlung im Oktober 1933 in Möhringen beklagten sich die Vertreter von Elzach, dass keine Narrentreffen in kleinen Orten ausgerichtet würden und die stattfindenden Veranstaltungen zu Massenereignissen ausuferten. Überdies seien auch viel zu viele neue Zünfte aufgenommen worden, die nur kommerzielle Absichten verfolgten. Außerdem würden die althistorischen Gründungsmitglieder in allen Fragen der Stilreinheit und der Traditionen von der Masse der Neumitglieder überstimmt. Vielen der neuen Zünfte hätten überhaupt keine eigenen Bräuche aufzuweisen oder kopierten Narrenkleider der alten Zünfte. Da die Vereinigung ihrem Zweck des Schutzes der alten Zünfte nicht mehr nachkomme, habe sie keine Existenzberechtigung mehr, insbesondere da von Seiten der neuen Regierung kein Verbot der Fastnacht mehr zu befürchten sei, so die Vertreter der Elzacher. Die Rottweiler Zunft stand offenbar ebenfalls hinter diesen Feststellungen und trat im Januar 1934 aus der Vereinigung aus. Elzach folgte im April.

Die Nachkriegszeit und Gründung des Viererbundes

Nach dem 2. Weltkrieg versuchte die VSAN einen „Neustart“. 1948 wurde die Vereinigung wieder gegründet. Rottweil und Elzach begrüßten den Neustart, jedoch taten sich die alten Wunden bald wieder auf. 1952 kamen Elzach, Rottweil und Überlingen nicht zum Narrentreffen nach Rottenburg. Streitpunkte waren die unterschiedliche Historie der einzelnen Narrenzünfte, die jährlichen Narrentreffen und eine Diskussion über den Zusammenschluss mit rheinländischen Karnevalsverbänden. 1953 traten deshalb die traditionsbewussten Narrenzünfte aus Elzach, Rottweil und Überlingen endgültig aus der Vereinigung aus. Grund für Rottweil war: Der Narr gehört in seine Heimatstadt. Ihnen folgten 1955 die Historische Narrozunft Villingen und am 12. Januar 1958 die Narrenzunft aus Oberndorf. Die Narrenzünfte aus Elzach, Rottweil, Überlingen und Oberndorf haben sich 1963 zum Viererbund zusammengeschlossen. Der Viererbund wurde und wird lediglich per Handschlag besiegelt. Es besteht kein Verband oder eine schriftlich festgelegte Satzung.

Austritt der Zünfte:
03.08.1953 Rottweil, Eduard Villinger
21.11.1953 Elzach, H. Oschwald
07.12.1953 Überlingen, Viktor Metzger

Bisherige Narrentage des Viererbundes:

1958 Überlingen

1959 Elzach

1960 Rottweil

1963 Überlingen

1966 Oberndorf

1969 Elzach

1973 Rottweil

1977 Überlingen

1980 Oberndorf

1984 Elzach

1987 Rottweil

1992 Überlingen

1995 Oberndorf

1999 Elzach (16.–17. Januar)

2003 Rottweil

2006 Überlingen (27.–29. Januar)

2010 Oberndorf (15.–17. Januar)

2013 Elzach (12.–13. Januar)

Narro, siebe Sih,
siebe Sih
sind Narro gsi.